Die als lückenlos präsentierte Kopierschutzkette von Blu-ray und HD-DVD hat ein Loch bekommen. Wie das Computermangazins c´t in einem Test herausgefunden hat, ist es mithilfe der Screenshotfunktion von Windows möglich, den Film abzugreifen. Die mit den ersten Geräten ausgelieferte Abspielsoftware WinDVD erlaubt es, Bildschirmfotos in voller Auflösung von den Filmen auzufertigen. Dazu muss man lediglich während der Filmwiedergabe auf die Print-Taste am Keyboard drücken, stellten die Tester fest.
Die hochauflösenden Filme werden per Advanced Access Content System (AACS) geschützt. Dieses Kopierschutzsystem verschlüsselt die Daten mit der High Bandwidth Digital Content Protection (HDCP) vom Abspielgerät bis zum Monitor. Dadurch wird sichergestellt, dass es nicht möglich ist, irgendwo unverschlüsselte Daten abzufangen. Die nun aufgezeigte Sicherheitslücke setzt daher auch am Ende des Schutzkreislaufes an. Erst wenn das Bild am Monitor angezeigt wird, kann es von den Tüftlern "geklaut" werden. Die Fotofunktion lässt sich zudem automatisieren. Die Fülle von Einzelbildern kann anschließend wieder zu einem Film zusammengesetzt und mit dem Ton, der separat aufgenommen wurde, zusammengemischt werden - fertig ist der High-Definition-Film ohne Kopierschutz.
Betroffen von der Lücke sind der Blu-ray-PC Vaio VGC-RC 204 von Sony und das HD-DVD-Notebook Toshiba Qosmio G30. Toshiba hat bereits reagiert und Updates für die Player-Software und den Grafikkarten-Treiber angekündigt. Diese neuen Versionen sollen die Screenshot-Funktion unterbinden. Bei Sony sieht man das Problem noch etwas gelassener. "Unser Blu-ray-PC ist momentan darauf ausgelegt, dass der Anwender seine eigenen Daten brennen kann", so Sony-Sprecher Andreas Schober auf Anfrage von pressetext. Zudem sind noch keine Filme auf Blu-ray auf dem Markt. Man werde sich jedoch eingehend damit befassen.
Laut Toshiba würde die getestete WinDVD-Version trotz der Probleme nicht gegen die Sicherheitsrichtlinien der AACS LA verstoßen. Ein Verstoß hätte einen Austausch der AACS-Sicherheitsschlüssel der ersten Blu-ray- und HD-DVD-fähigen WinDVD-Version zwecks Sperrung zur Folge. Vorgesehen ist ein Schlüsselwechsel, wenn ein älterer Schlüssel korrumpiert ist oder - wie im vorliegenden Fall - eine Software-Lücke auftaucht. Damit weigern sich HD-DVD- bzw. Blu-ray-Geräte jedoch unter Umständen, neu gekaufte Medien abzuspielen.
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